Nicholas Ofczarek, Tamara Metelka, Nikolai Tunkowitsch
Franz Kafka: „MILENA!“
Die Beziehung zwischen Franz Kafka und Milena Jesenská zählt zu den bewegendsten literarischen Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts – und wird von dem außergewöhnlichen Schauspielerehepaar Tamara Metelka und Nicholas Ofczarek eindrucksvoll zum Leben erweckt.
Als die 23-jährige Milena im Prager Künstlercafé Arco auf Kafka trifft und seine Texte ins Tschechische übersetzen möchte, beginnt eine Beziehung, die beide nachhaltig prägt. Rasch entwickelt sich daraus eine intensive Liebe, getragen von Nähe und Distanz – erschwert durch Milenas Ehe in Wien und Kafkas Leben in Prag. Persönlich begegnen sie sich nur zweimal: wenige Tage in Wien und in Gmünd. Um so bedeutender wird ihr dichter, leidenschaftlicher Briefwechsel, der als „Briefe an Milena“ in die Literaturgeschichte einging.
Kafka öffnet sich Milena wie kaum einem anderen Menschen. In ihr findet er eine Vertraute, die ihn als Mensch und Künstler versteht. Doch zwischen Sehnsucht, Zweifel und Kafkas Ängsten bleibt die Verbindung fragil und stets von Nähe und Unerreichbarkeit geprägt. Rund zwei Jahre währt der intensive Austausch, bis die Gefühle allmählich an Kraft verlieren und Kafkas sich verschlechternder Gesundheitszustand ihn zunehmend isoliert.
1924 stirbt Franz Kafka an den Folgen der Tuberkulose. Milena Jesenská stellt sich den politischen Umbrüchen ihrer Zeit entgegen, hilft Verfolgten bei der Flucht vor den Nationalsozialisten und wird 1944 im KZ Ravensbrück ermordet. 1994 ehrte Yad Vashem sie als „Gerechte unter den Völkern“.
Milenas eigene Briefe an Kafka sind verloren – vermutlich nach seinem Tod auf ihren Wunsch vernichtet. Kafkas Briefe erschienen 1952 zunächst auf Englisch in New York und machten Milena über Nacht bekannt, obwohl ihr Name in der ersten Ausgabe noch nicht vollständig genannt wurde.
In der fesselnden Textfassung von Tamara Metelka treten Kafkas Briefe – ergänzt um ausgewählte Kurztexte – in einen Dialog mit Milenas Briefen an Max Brod, ihren journalistischen Arbeiten sowie ihrem scharfzüngigen Nachruf auf Franz Kafka, der wenige Tage nach seinem Tod erschien.
Inszeniert als literarisch-musikalische Begegnung wird der Austausch von Metelka und Ofczarek als Milena und Kafka durch die Violine von Nikolai Tunkowitsch emotional überaus eindrucksvoll verstärkt.
Tamara Metelka
Tamara Metelka ist eine Schauspielerin mit besonderem Gespür für literarische Stoffe und feine Zwischentöne. In eigenen Textfassungen verbindet sie einfühlsame Interpretation mit klarer, lebendiger Ausdruckskraft und gestaltet eindrucksvolle Programme zwischen Sprache, Emotion und musikalischem Kontext. Als langjähriges Ensemblemitglied des Burgtheaters und frühere (Ko-)Leiterin des Max-Reinhardt-Seminars prägt ihre Arbeit eine reiche künstlerische Erfahrung.
Nicholas Ofczarek
Nicholas Ofczarek zählt zu den Stars des Wiener Burgtheaters und ist einem breiten Publikum aus Theater, Film und Fernsehen bekannt. Mit großer Präsenz, präzisem Spiel und nuancenreicher Gestaltung verleiht er seinen Rollen eine besondere Intensität und eindrucksvolle Vielschichtigkeit. Auch vor der Kamera überzeugt er in vielfach ausgezeichneten Produktionen wie „Braunschlag», „Der Pass“ oder „Altes Geld“ und gehört damit zu den markantesten Schauspielpersönlichkeiten im deutschsprachigen Raum.
Nikolai Tunkowitsch
Nikolai Tunkowitsch ist ein virtuoser Violinist mit feinem Gespür für Klangfarben und Nuancen. Ob klassische Werke oder zeitgenössische Kompositionen – er lässt jede Melodie lebendig werden. Mit Auftritten im In und Ausland und Engagements in Ensembles wie den Neuen Wiener Concert Schrammeln verbindet er Präzision und Leidenschaft zu einem beeindruckenden Musikerlebnis.
Sprache: Tamara Metelka und Nicholas Ofczarek
Violine: Nikolai Tunkowitsch
Textfassung: Tamara Metelka
